Fledermaus freundliches Saarland

Der NABU Saarland und das Ministerium für Umwelt, Energie und Verkehr starteten Ende August 2011 die Aktion „Fledermaus freundliches Saarland“. Ziel ist der Schutz von Fledermausquartieren, die beim Erhalt dieser überwiegend stark bedrohten Arten gegenwärtig die vielleicht entscheidende Rolle spielen. Standen in den vergangenen Jahrzehnten die Ausräumung der Landschaft, der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft und die Verwendung von hochgiftigen Holzschutzmitteln in Dachräumen als Ursachen für den Rückgang im Vordergrund, richtet sich diese Aktion gegen die Zerstörung von Quartieren in unseren Siedlungsräumen. Denn viele Fledermausarten sind als Kulturfolger unter unsere Dächer, hinter unsere Wetterwände und in unsere Kirchen und Keller eingezogen. Und diese Quartiere bewohnen die Tiere oft in großen Kolonien, in denen entweder der Nachwuchs in Wochenstuben geboren und großgezogen wird, oder in denen sie ihren Winterschlaf halten. Wegen dieser Koloniebildung sind dann auch ganze Lokalpopulationen betroffen, wenn ein Quartier z.B. bei Renovierungsmaßnahmen zerstört wird. Oftmals wissen aber die Hausbesitzer gar nicht, welche besonderen Gäste sie beherbergen. Denn meist bleiben Fledermauskolonien unbemerkt, da sie erst abends das Haus verlassen und sich auch sonst eher unauffällig verhalten.

Die Aktion will deshalb durch Öffentlichkeitsarbeit auf mögliche Fledermausquartiere hinweisen und betroffenen Hausbesitzern Beratung und Hilfe durch ehrenamtliche Quartierbetreuer, Mitarbeiter des Zentrums für Biodokumentation und Experten zukommen lassen. Als  besondere Anerkennung für den Erhalt eines Fledermausquartiers werden die Besitzer mit der Plakette „Fledermaus freundliches Saarland“ ausgezeichnet. Diese zeigt dann einen besonderen Naturschutzort an.

Ausgezeichnete Quartierschutzerinnen und -schützer

Erste Plakette Fledermaus freundliches Saarland verliehen

Umweltministerin Dr. Simone Peter konnte den Zweckverband Saar-Bliesgau / Auf der Lohe am Samstag dem 27.08.2011 als ersten Quartierbesitzer mit der Plakette „Fledermaus freundliches Saarland“ auszeichnen.

Damit würdigt die vom NABU-Saar und dem Umweltministerium getragene Aktion den Einsatz des Zweckverbandes für den Erhalt eines der bundesweit bedeutendsten Winterquartiere der Bechsteinfledermaus. Denn diese seltene Waldart wurde vor dem Eingangsstollen des ehemaligen Kalkbergwerks beim Schwärmen in großer Zahl nachgewiesen. Und damit dies auch weiterhin so bleiben kann, hat der Zweckverband vor dem Stollen ein spezielles Fledermausgitter angebracht und ihnen so den Einflug in ihr über 100ha großes unterirdisches  Reich des ehemaligen Kalksteinabbaus gesichert.

In diesen großen Hallen im Berginneren verbringen aber auch mindestens 10 weitere Fledermausarten ihren Winterschlaf. Darunter im Saarland so seltene Arten wie die Wimperfledermaus und die Große Bartfledermaus. Diesen Artenreichtum unterstrich Frau Dr. Peter bei der Würdigung der Bedeutung des Quartiers und seines Schutzes. NABU-Vorsitzender Ulrich Heintz wies bei der Verleihung auf den Einsatz von NABU-Experten hin, die sich für die Unterschutzstellung und eine naturschutzverträgliche Nutzung des Kalkbergwerks eingesetzt haben. Bürgermeister Rubeck erinnerte an die Verwurzelung des Steinbruchs in der örtlichen Bevölkerung durch die lange wirtschaftliche Nutzung. So zeigten sich auch viele Besucher der Zweiten Biosphärenfledermausnacht sehr erfreut, „ihren“ Steinbruch noch einmal unter anderem Aspekt erleben zu können. Dr. Christine Harbusch erläuterte das Phänomen des Schwärmens vor dem Stollen, bei der stundenlang erwachsene Männchen wohl den Jungtieren die Eingänge zu geeigneten Winterquartieren zeigen. Rainer Ulrich von der Delattinia führte Interessierte ins Reich der hier lebenden Schmetterlinge ein und Dieter Dorda konnte trotz Regen noch viele Heuschrecken vor dem Stollen finden und ihre Lebensweise erklären. Mit Markus Utesch demonstrierten Kinder bei lebhaften Versuchen  ihren Eltern die erstaunlichen Fähigkeiten der Fledermäuse bei einer Tageswanderung.

Umweltministerin Peter freute sich mit der ersten Verleihung auch den Startschuss für die weitere Auszeichnung von Quartierbesitzern gegeben zu haben, die von der Aktion „Fledermaus freundliches Saarland“ nicht nur die Plakette, sondern auch Rat und Hilfe durch ehrenamtliche Quartierbetreuer, Mitarbeiter des Zentrums für Biodokumentation und Experten erhalten können.