Fledermaus freundliches Saarland

Der NABU Saarland und das Ministerium für Umwelt, Energie und Verkehr starteten Ende August 2011 die Aktion „Fledermaus freundliches Saarland“. Ziel ist der Schutz von Fledermausquartieren, die beim Erhalt dieser überwiegend stark bedrohten Arten gegenwärtig die vielleicht entscheidende Rolle spielen. Standen in den vergangenen Jahrzehnten die Ausräumung der Landschaft, der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft und die Verwendung von hochgiftigen Holzschutzmitteln in Dachräumen als Ursachen für den Rückgang im Vordergrund, richtet sich diese Aktion gegen die Zerstörung von Quartieren in unseren Siedlungsräumen. Denn viele Fledermausarten sind als Kulturfolger unter unsere Dächer, hinter unsere Wetterwände und in unsere Kirchen und Keller eingezogen. Und diese Quartiere bewohnen die Tiere oft in großen Kolonien, in denen entweder der Nachwuchs in Wochenstuben geboren und großgezogen wird, oder in denen sie ihren Winterschlaf halten. Wegen dieser Koloniebildung sind dann auch ganze Lokalpopulationen betroffen, wenn ein Quartier z.B. bei Renovierungsmaßnahmen zerstört wird. Oftmals wissen aber die Hausbesitzer gar nicht, welche besonderen Gäste sie beherbergen. Denn meist bleiben Fledermauskolonien unbemerkt, da sie erst abends das Haus verlassen und sich auch sonst eher unauffällig verhalten.

Die Aktion will deshalb durch Öffentlichkeitsarbeit auf mögliche Fledermausquartiere hinweisen und betroffenen Hausbesitzern Beratung und Hilfe durch ehrenamtliche Quartierbetreuer, Mitarbeiter des Zentrums für Biodokumentation und Experten zukommen lassen. Als  besondere Anerkennung für den Erhalt eines Fledermausquartiers werden die Besitzer mit der Plakette „Fledermaus freundliches Saarland“ ausgezeichnet. Diese zeigt dann einen besonderen Naturschutzort an.

Ausgezeichnete Quartierschutzerinnen und -schützer

Familie Risch-Engel aus Schmelz und ihre Mausohren

In Schmelz spielt sich im Sommer jeden Abend ein ganz besonderes Naturschauspiel ab.

Wenn es dunkel wird verlassen bis zu 100 Mausohrweibchen den Dachstuhl des Hauses der Familie Risch-Engel und schwärmen in die Umgebung auf der Jagd nach Schnaken, Spinnen und Käfern aus. Davon brauchen die fliegenden Säugetiere jede Menge, denn sie müssen jetzt genügend Milch für ihre Jungtiere produzieren und das macht sie mächtig hungrig. Währenddessen wartet im Dach des Schmelzer Geschäftshauses auf jede Mama ein geduldiges Jungtier, putzt sich und gerät auch mal in Streit mit dem Nachbarn. Mit guten Ohren hörten das auch die Eigentümer des Hauses über Jahre hinweg. Trotzdem stand für Familie Risch-Engel fest, die Fledermäuse bleiben. Dafür nahm sie einiges in Kauf, reinigte immer wieder den Dachboden und bewahrte die Toleranz den seltenen Mitbewohnern gegenüber. Und das wissen auch die Mausohren zu schätzen und kommen seit vielen Jahren mit großer Zuverlässigkeit immer wieder zurück und gebären in dem geschützten Quartier ihren Nachwuchs.

Die erste Plakette Fledermaus freundliches Saarland für einen privaten Hausbesitzer wurde am 14.12.2011 der Familie Risch-Engel in Schmelz durch den Umweltstaatssekretär Klaus Borger und den NABU Landesvorsitzenden Ulrich Heintz im Beisein der Ortsvorsteherin Bärbel Groß und Joachim Gerstner vom Umweltministerium verliehen.

Dr. Christine Harbusch, als betreuende Fledermausexpertin des NABU Saarland, unterstrich die Bedeutung geschützter Wochenstuben für die seltenen Großen Mausohren, die hier jedes Jahr ihre Jungen großziehen: „Wären Sie nicht über so viele Jahre hinweg bereitgewesen, die Tiere unter Ihrem Dach zu tolerieren, wäre die Kolonie längst erloschen“. Sie wies auf die seit über 25 Jahren bestehende Beziehung zu den Quartierbesitzern hin, deren Haus auch durch den Einsatz von Herrn Gerstner zu einem punktförmigen europäischen Naturschutzgebiet erklärt wurde.

Ulrich Heintz überreichte die dekorative Plakette mit dem Wunsch, der Einsatz der Familie würde viele Nachahmer finden. Denn die Region um Schmelz sei ein Schwerpunkt der Verbreitung unserer größten Fledermausart im Saarland. Umweltstaatssekretär Klaus Borger dankte der Familie Risch-Engel ausdrücklich für ihre langjährige Akzeptanz der „Untermieter“ und unterstrich die Bedeutung von Artenschutz im besiedelten Gebiet. Dabei wären es oft Geschäftsleute wie die Familie Risch-Engel, die als Vorbild in ihrer Kommune wirken können.